Montag, 23. Januar 2017

Zwei Geschichten, eine aus dem Silicon Valley, die andere aus der nordkanadischen Wildnis




 











Liebe Lesefreunde und –freundinnen
Heute möchte ich euch von zwei Büchern berichten, die ich in meinen Ferien an der Wärme gelesen habe, wenn ich nicht unterwegs war, um Sehenswürdigkeiten anzuschauen oder die Natur von La Palma zu geniessen.
Das eine heisst: ich hasse dieses Internet, und ist geschrieben von Jarett Kobek. Bei dem Roman handelt es sich um eine fulminante Abrechnung damit, was das Internet mit uns macht, wie es unser Leben verändert, wie Apple und Google und Co. zu den mächtigsten Playern werden. Es zeigt auf, nach welchen Regeln das Internet funktioniert, wie es uns instrumentalisiert unter dem Vorwand der freien Kommunikation und einer scheinbaren Demokratisierung unserer Lebensverhältnisse. Eindrücklich wird entlarvt, wie die Sozialen Medien als Vehikel funktionieren, die sich das geistige Eigentum der Nutzer aneignet und zu Geld macht. Ich habe das Buch sowohl als Roman als auch als Sachbuch mit Profit und Vergnügen gelesen.

Das zweite Buch ist das ganze Gegenteil vom ersten. Es heisst 'Ein Leben mehr' und ist geschrieben von Jocelyne Saucier. Es ist die Geschichte von drei alten Männern, die sich in die nordkanadische Wildnis zurückgezogen haben, um dort ungestört von Steuerämtern, Sozialarbeitern und dem Rest der Menschheit ihrem Tod entgegenzuleben. Eines Tages taucht eine Fotografin auf, die nach den letzten Überlebenden des grossen Brandes sucht, der in den Zwanzigerjahren in der Gegend gewütet hat. Als dann auch noch eine alte Frau dazustösst, die ihr Leben in der Zwangspsychiatrie verbringen musste, ist es mit der Ruhe dahin. Es ist ein wunderschöner Roman, der um die Themen von Natur, Tod, Freiheit, Freundschaft, Liebe kreist. Sehr lesenswert!

Mittwoch, 28. Dezember 2016

Ein Roman über das Auseinanderbrechen einer Familie





Liebe Lesefreunde
Ihr habt längere Zeit nichts von mir gehört, was damit zu erklären ist, dass ich ein 700-Seiten-Werk gelesen habe. Und zwar durch den neusten Roman von Jonathan Safran Foer, mit dem Titel: Hier bin ich, erschienen 2016.
Die Geschichte handelt von Jacob Bloch, einem liberalen Juden, der als Drehbuchschreiber für eine Fernsehshow mit seiner Frau und seinen drei Söhnen in Washington DC lebt. Jacob ist eingebettet in eine Generationenfolge, beginnend mit Großvater Isaac, der vor den Nazis nach Amerika fliehen und in Washington ein Geschäft aufbauen konnte, seinem Vater Irv und den Söhnen Sam, Max und Benjy. Jacobs Leben ist voll von Problemen. Die Beziehung zu seiner Frau ist voller Spannungen, dem ältesten Sohn Sam droht der Ausschluss von der Bar Mizwa, die aufgrund des ausdrücklichen Wunsches des Isaac durchgeführt werden soll, Sams Leben findet hauptsächlich im Internetspiel Other-World statt. Jacobs Leben ist ein einziger Kampf um die Anerkennung seiner Frau, seines Vaters und Großvaters und von seinen Kindern, denen er ein guter Vater sein möchte.
Ich tue mich schwer damit, eine Meinung zu dem Buch abzugeben. Der Einblick in eine liberale, jüdische, mittelständische Ostküstenfamilie war für mich sehr faszinierend und lehrreich, ebenso die Einbettung der Handlung in die jüdische Kultur und Geschichte. Und wie der Autor die zermürbenden Dialoge zwischen Jacob und seiner Frau und die innere Not des Jacobs darstellt, ist grosse Kunst. Aber, fast 700 Seiten stellen doch eine ziemliche Herausforderung dar, die hohe Ansprüche an das Durchhaltevermögen des Lesers stellt, zumal der Roman zwischendurch immer wieder Längen hat. Die Schlussfolgerung kann also sein: Wer den Roman liest, profitiert viel, muss sich aber mit Geduld wappnen. 
Ich wünsche euch allen alles Gute für's 2017!

Sonntag, 18. Dezember 2016

Ein spannender Bericht aus dem Altersheim




 












Liebe Lesefreunde
Das Buch, das ich euch heute vorstellen möchte, passt für die meisten noch nicht in die aktuelle Lebensphase. Trotzdem halte ich es für wert, beachtet zu werden. Es heisst 'Eierlikörtage, das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 ¼ Jahre'.
Der Autor Hendrik Groen veröffentlicht mit dem Buch seine täglichen Aufzeichnungen, die er als Insasse eines Altersheims in Holland gemacht hat. Am Beginn meiner Lektüre war ich eher skeptisch, weil ich ein weiteres Altersbuch erwartete, wie sie zuhauf geschrieben werden; Bücher, die in einer eher bemüht optimistischen Tonlage versuchen, das Thema Alter und alles, was dazu gehört, schön zu reden.
Das Buch von Groen ist grundlegend anders. Zum einen beschreibt er seinen eigenen Altersprozess, und wie er damit umgeht, sehr nüchtern, realistisch und ohne Beschönigungen. Gleichzeitig zeigt er aber immer auch auf, wie er versucht, sich trotz den zunehmenden Beeinträchtigungen immer wieder ein Stück Lebensfreude zu erkämpfen und zu erhalten. Gleichzeitig ist Groen auch ein scharfer, politisch denkender Beobachter, der sehr genau wahrnimmt, wie von staatlicher Seite (in Holland) auf Kosten der Alten gespart wird, und wie sie in dem System der Altersheime entmündigt und unwürdig behandelt werden. Mit Beharrlichkeit und Mut versucht er, immer wieder dagegen anzukämpfen und sich und seinen Mitinsassen ein Stück menschliche Würde und Achtung zu bewahren. Neben seiner Beharrlichkeit ist Groen aber auch ein sehr liebenswerter-empathischer Mensch, der sich um seine Mitmenschen kümmert und hilft wo er kann.
Wenn gute Literatur auch die Funktion hat, uns einen bisher wenig bekannten Lebensbereich auf kluge und spannende Art näher zu bringen, dann ist das Buch von Groen sicher gelungen und sehr lesenswert.