Sonntag, 1. Oktober 2017

Ein visionärer Thriller, unbedingt zu empfehlen



 XXL-Leseprobe: Der Präsident: Thriller


 









Heute möchte ich euch einen visionären Thriller vorstellen. Er heisst Der Präsident und geschrieben hat ihn Sam Bourne. Sam Bourne ist das Pseudonym des preisgekrönten britischen Journalisten Jonathan Freedland. Thriller sind eigentlich nicht unbedingt mein bevorzugter Lesestoff, aber dieser hat mich total hineingezogen. Es geht um die (real-) fiktive Geschichte eines Demagogen, der neu zum Präsidenten gewählt wurde und aus Wut über eine vermutliche Beleidigung seitens Nordkorea unbedingt einen Atomschlag auslösen möchte, der grad auch noch China umfassen soll. Hauptperson des Romans ist Maggie Castello, einer Angestellten des Weissen Hauses, die nach und nach einer Verschwörung auf die Spur kommt und dabei selber in grosse Gefahr gerät.
Der Roman ist in den USA im letzten Herbst herausgekommen, und es ist frappierend, mit welcher Akribie Sam Bourne vorausnimmt, was in den Monaten seit der Wahl Trumps zum Präsidenten tatsächlich passiert ist. Die Unberechenbarkeit eines narzisstischen Präsidenten, die Verlotterung der politischen Kultur, die Tendenzen hin zu einer autoritären Umgestaltung der amerikanischen Gesellschaft, der Zynismus, mit dem die Herrschenden die Massen manipulieren, alles ist in dem Roman vorausgenommen und zu einer hochspannenden Geschichte verwoben worden. Wahrlich ein echter Pageturner.

Mittwoch, 16. August 2017

Drei Bücher, die ich mit Spannung gelesen habe




 










Liebe Lesefreundinnen und –freunde
Heute möchte ich euch zwei Romane und ein Sachbuch vorstellen.
Der erste Roman ist der neuste von Donna Leon und trägt den Titel Stille Wasser. Es ist der sechsundzwanzigste Fall von Commissario Brunetti. Eigentlich hatte ich von mir gedacht, dass ich mit den Romanen von Donna Leon durch bin, sind sie doch alle nach dem mehr oder weniger gleichen Schnittmuster konzipiert. Man nehme ein aktuell wichtiges Thema, einen Mord, Inspektor Brunetti, seine stets köstlich kochende Paola, seine wohl geratenen Kinder, einen latent korrupten Vice-Questore Patta, Venedig, und schon sind alle Ingredienzien beisammen. Der neuste Roman aber ist anders. Die Handlung findet hauptsächlich in der Lagune statt, die obligatorische Leiche taucht erst nach hunderundzehn (110!) Seiten auf, die Geschichte ist wundervoll aufgebaut. Als Leser/in tauchen wir in eine fast versunkene Welt ein, deren Existenz neben dem infernalischen Touristenrummel in Venedig kaum noch möglich zu sein scheint. Wunderbar zu lesen und spannend bis zum Schluss. Stille Wasser ist sicher einer der besten Romane von Donna Leon.


  











Der zweite Roman, den ich euch vorstellen möchte, heisst Chaya und wurde von Kathy Zarnegin geschrieben. Kathy Zarnegin wurde in Teheran geboren und kam 1968 als Vierzehnjährige in die Schweiz. Als junges Mädchen beschliesst sie, Schriftstellerin zu werden und träumt davon, nach Westeuropa oder in die USA zu gehen, so wie es damals viele junge Iraner gemacht haben. Schliesslich schicken ihre Eltern sie zu Verwandten in die Schweiz, weil die dort ein besseres Leben haben würde. Mit grossem Elan lernt sie sehr schnell die deutsche Sprache. In dem Buch beschreibt sie in knappen Kapiteln ihre vielfältigen Erfahrungen, die sie in dem Prozess der Integration in der Schweiz gemacht hat. Wir lernen eine junge Frau kennen, die sich furchtlos ihrer neuen Welt annähert, der Sprache, den Beziehungen, ihrer Rolle als Emigrantin, die eine Herkunftswelt in sich trägt, die zunehmend verblasst, aber immer noch Teil von ihr ist. Ich habe das Buch mit grossem Interesse gelesen.



  












Das dritte Buch stammt von Henning Beck und trägt den Titel Irren ist nützlich mit dem Untertitel Warum die Schwächen des Gehirns unsere Stärken sind. Inzwischen werdet ihr wahrscheinlich schon bemerkt haben, dass mich das Thema, wie unser Gehirn funktioniert, sehr interessiert. Henning Beck ist Neurowissenschaftler und versucht, an Hand populärwissenschaftlicher Bücher die Funktionsweise des Gehirns verständlich zu machen. Wie der Titel des Buches schon sagt, führt er aus, dass das Gehirn kein Organ ist, das computergleich Daten sammelt und nach Bedarf wieder ausspuckt. Nach seiner Überzeugung ist es im Gegenteil langsam, ungenau und fehlerhaft, aber gerade darin sieht er die Quelle für neue Ideen und Entscheidungen, für Kreativität, und für die Fähigkeit, Wissen immer wieder neu zu organisieren und weiter zu entwickeln. Gerade die Unvollkommenheit des Gehirns macht es aus, dass es den Maschinen überlegen ist. Henning Beck schreibt sehr verständlich und mit viel Humor. Wer sich immer wieder grämt über die Unvollkommenheit seines Gedächtnisses, wird das Buch mit Gewinn lesen.

Sonntag, 23. Juli 2017

Drei Sachbücher und ein Roman














Liebe Lesefreunde und Lesefreundinnen

Heute möchte ich euch gern drei Sachbücher und einen Roman vorstellen, die ich in der letzten Zeit gelesen habe.
Die ersten beiden Sachbücher sind von Tali Sharot und heissen Die Meinung der Anderen und Das optimistische Gehirn. Tali Sharot ist eine Neuropsychologin aus Israel, die sich seit zwei Jahrzehnten mit dem Einfluss des Gehirns auf unser Denken, Handeln und Fühlen beschäftigt. Heute forscht und lehrt sie am University College London.
Im ersten Buch geht sie der Frage nach, wie und warum Versuche, das Verhalten anderer Menschen zu beeinflussen, gelingen oder eben nicht. Wie hat Trump es geschafft, massiv Einfluss auf seine Wählerschaft zu nehmen, während es einem Arzt nicht gelingt, einen Patienten zu mehr Bewegung und weiniger Rauchen zu bewegen? Anhand ihrer psychologischen, neurowissenschaftlichen und verhaltensökonomischen Forschungen zeigt Sharot auf, dass die Beeinflussung anderer Menschen ohne Kenntnisse der Funktionsweise der verschiedenen Teile des menschlichen Gehirns nicht oder nur bruchstückhaft funktioniert. Um es auf einen einfachen Nenner zu bringen: Mit Zahlen und Fakten erreicht man praktisch nichts?
Im zweiten Buch zeigt Sharot auf, dass unser Gehirn eine automatische Tendenz hat, uns ein tendenziell optimistisches Denken einzugeben. Es scannt nicht die Realität eins zu eins, sondern formt sie um, so dass sie uns freundlicher erscheint als sie aller Wahrscheinlichkeit nach ist. Anhand einer grossen Anzahl von Untersuchungen belegt sie diese These und leitet sie, wie in dem obigen Buch, aus der Funktionsweise unseres Gehirns ab, das dem Überleben des Individuums und unserer Art dient. Woher nehmen Menschen den Optimismus, dass die neue Beziehung nach der zweiten Scheidung garantiert besser sein wird, als die vorherigen? Was lässt sie die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung, von Arbeitslosigkeit, Partnerverlust wesentlich tiefer einschätzen, als sie tatsächlich ist? Warum schätzen die Menschen die allgemeine politische und wirtschaftliche Lage meist pessimistisch, ihre eigene aber optimistisch ein? Sharot zeigt auf, dass dieser Mechanismus nicht Ausdruck intellektueller Beschränktheit, sondern Teil eines notwendigen Überlebensmechanismus ist, da wir sonst nicht überleben könnten.
Die beiden Bücher sind voll wichtiger Informationen und Tali Sharot schreibt flüssig und verständlich. Es sind zwei Sachbücher, die einerseits lehrreich und andererseits sehr unterhaltsam sind. Ich habe sie mit grossem Interesse verschlungen.

 

Das dritte Sachbuch behandelt eher ein unerfreuliches Thema, und zwar eines, das heute wohl fast die ganze Welt beschäftigt. Es heisst Die Akte Trump und geschrieben ist es von David Cay Johnston. Johnston ist ein investigativer Journalist, der Donald Trump von Anbeginn seiner Laufbahn als Immobilientycoon begleitet hat. Und um die Zusammenfassung vorwegzunehmen: Trump ist durch und durch ein Halunke! Anhand einer Fülle von Material belegt Johnston, wie Trump mit Betrug, Steuerhinterziehung, Druck, Erpressung und tausendfachen juristischen Verfahren sein Vermögen zusammengerafft hat, von dem bis heute keiner weiss, wie gross es wirklich ist. Mit psychologischen, bzw. psychiatrischen Begriffen gesprochen, muss man Trump als extrem ich-bezogen, grössenwahnsinnig extrem rachsüchtig beschreiben. Diese Aussage ist natürlich nicht neu, aber es war für mich doch sehr aufschlussreich, mehr über seine Entwicklung und Herkunft aus dem mafiösen Milieus zu erfahren. 

 


Schliesslich noch der Roman, den ich euch vorstellen möchte. Er heisst Das Biest und geschrieben hat es der niederländische Autor Adri van der Heijden. In dem Buch wird die Geschichte von Tante Tientje erzählt, die immer und überall ein gelbes Staubtuch mit sich führt, mit dem sie immer wieder tatsächlichen oder imaginären Staub wegwischt. Tientje hat das, was man einen bösen oder miesen Charakter nennen kann, mit dem sie ihre Umgebung malträtiert. Anfänglich bleibt ihr Verhalten fremd und eher abstossend; nach und nach wird aber deutlich, welche schweren Traumatisierungen aus ihrer Kindheit und Jugend sie antreiben. Die Geschichte spielt vor dem Hintergrund des bigott-protestantischen Milieus der fünfziger und sechziger Jahre in Holland. Tientje kann beschrieben werden als eine Frau, die nicht bereit ist, das ihr angetane Unrecht im Interesse des allgemeinen Friedens unter den Tisch zu kehren. Das brachte sie mir beim Lesen zwar nicht unbedingt näher, ihr Verhalten wurde aber verständlich. Das Buch ist für mich eine sehr lesenswerte Charakterstudie eines gequälten Menschen. 

Ich wünsche euch allen  erfreuliche, lhrreiche und spannende Leseerfahrungen