Liebe Lesefreunde
Heute muss ich
euch von einem Buch erzählen, das mich total fasziniert hat. Es heisst 'Nach
einer wahren Geschichte' und ist geschrieben von Delphine de Vigan, einer französischen
Autorin. Der Roman hat die Form einer Autobiographie und beschreibt die
Begegnung zwischen der eher zurückhaltend-schüchternen Delphine und der klugen, eleganten
und lebenstüchtigen L. Die beiden nähern sich immer mehr an, vertiefen ihre
Beziehung und nach und nach drängt sich L. in Delphines Leben ein, versucht
Einfluss zu nehmen auf deren neuen Roman und verunsichert damit Delphine
zunehmend bis hin zu dem Punkt, dass sie nicht mehr schreiben kann und sich
völlig abhängig von L. fühlt. Die Geschichte nimmt immer dramatischere Formen
an bis hin zu hochspannenden Situationen, die fast schon Dimensionen eines Psycho-Thrillers
annehmen.
Der Roman ist ein
geniales Werk zum Thema Identität, Realität und Fiktion, geschrieben in einem eleganten
Stil, voll von klugen Beobachtungen und Beschreibungen. Es hat mich sehr
beeindruckt, mit welcher Präzision die Autorin die psychologischen
Befindlichkeiten der beiden Hauptpersonen beschreibt, wie sie eintaucht in die
Persönlichkeit speziell er Delphine, so dass ich mich immer wieder gefragt
habe, ob sie die Geschichte 'nur' erzählt oder wirklich erlebt hat. Also, wer
noch ein Weihnachtsgeschenk sucht, hier wäre eins!
Dann möchte ich
euch auch noch unbedingt auf einen Film hinweisen, den ich letzthin gesehen
habe, obwohl dies hier ja eigentlich ein Bücherblog ist. Er ist aber so gut,
dass ich davon berichten muss. Und zwar handelt es sich um den neusten Film von
Ken Loach, der in der Schweiz unter dem Titel
I, Daniel Blake
läuft. Es handelt sich dabei um die Geschichte eines ca. 55-jährigen
Schreiners, der nach einer Herzattacke krankgeschrieben wird und sich daran
macht, die Unterstützungsgelder zu beantragen, die ihm von Rechts wegen
zustehen würden. Dabei gerät er in die Mühlen des englischen Sozialsystems, das
man nur noch als menschenverachtend charakterisieren kann. Ein wesentlicher
Teil der Geschichte ist dabei die Begegnung von Daniel Blake mit einer alleinerziehenden
Mutter mit zwei Kindern, einer Begegnung, die beiden Hilfe bietet, den Abstieg
aber nicht aufhalten kann. Mich hat der Film tief berührt, auch wenn wohl zum Teil
in den Kritiken von Sozialkitsch die Rede war.
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