Sonntag, 29. Oktober 2017

Ein Selbsthilfebuch, das ich mit Genuss und Gewinn lese



Die Kunst des guten Lebens: 52 überraschende Wege zum Glück von [Dobelli, Rolf]










Liebe Lesefreundinnen, liebe Lesefreunde
Heute möchte ich euch gern ein Sachbuch vorstellen, das ich mit Genuss und Gewinn lese. Es heisst 'Die Kunst des guten Lebens', und geschrieben hat es Rolf Dobelli, der einigen von euch sicher bekannt ist. Der Titel mag wohl etwas nach einem weiteren Selbsthilfebuch tönen, das viel verspricht und bestenfalls dem Autor etwas einbringt. Es ist es aber nicht. In seinem Buch stellt Dobelli anhand von zweiundfünfzig kurzen Kapiteln dar, wie wir die Wahrscheinlichkeit von Unglück in unserem Leben minimieren können, betont dabei aber immer wieder, dass wir es nur bedingt in der Hand haben. Er preist also nicht irgendwelche Methoden und Tricks an, die uns sicher glücklich und erfolgreich machen werden. Fern von jeglicher Esoterik basieren seine Ausführungen auf den Grundlagen der modernen Hirnforschung, der kognitiven Psychologie, der Verhaltensökonomik und anderem mehr. Sein Stil ist klar, schnörkellos, manchmal fast spröd, und immer erhellend. Wenn es schon ein Selbsthilfebuch sein soll, dann das!  

Sonntag, 1. Oktober 2017

Ein visionärer Thriller, unbedingt zu empfehlen



 XXL-Leseprobe: Der Präsident: Thriller


 









Heute möchte ich euch einen visionären Thriller vorstellen. Er heisst Der Präsident und geschrieben hat ihn Sam Bourne. Sam Bourne ist das Pseudonym des preisgekrönten britischen Journalisten Jonathan Freedland. Thriller sind eigentlich nicht unbedingt mein bevorzugter Lesestoff, aber dieser hat mich total hineingezogen. Es geht um die (real-) fiktive Geschichte eines Demagogen, der neu zum Präsidenten gewählt wurde und aus Wut über eine vermutliche Beleidigung seitens Nordkorea unbedingt einen Atomschlag auslösen möchte, der grad auch noch China umfassen soll. Hauptperson des Romans ist Maggie Castello, einer Angestellten des Weissen Hauses, die nach und nach einer Verschwörung auf die Spur kommt und dabei selber in grosse Gefahr gerät.
Der Roman ist in den USA im letzten Herbst herausgekommen, und es ist frappierend, mit welcher Akribie Sam Bourne vorausnimmt, was in den Monaten seit der Wahl Trumps zum Präsidenten tatsächlich passiert ist. Die Unberechenbarkeit eines narzisstischen Präsidenten, die Verlotterung der politischen Kultur, die Tendenzen hin zu einer autoritären Umgestaltung der amerikanischen Gesellschaft, der Zynismus, mit dem die Herrschenden die Massen manipulieren, alles ist in dem Roman vorausgenommen und zu einer hochspannenden Geschichte verwoben worden. Wahrlich ein echter Pageturner.

Mittwoch, 16. August 2017

Drei Bücher, die ich mit Spannung gelesen habe




 










Liebe Lesefreundinnen und –freunde
Heute möchte ich euch zwei Romane und ein Sachbuch vorstellen.
Der erste Roman ist der neuste von Donna Leon und trägt den Titel Stille Wasser. Es ist der sechsundzwanzigste Fall von Commissario Brunetti. Eigentlich hatte ich von mir gedacht, dass ich mit den Romanen von Donna Leon durch bin, sind sie doch alle nach dem mehr oder weniger gleichen Schnittmuster konzipiert. Man nehme ein aktuell wichtiges Thema, einen Mord, Inspektor Brunetti, seine stets köstlich kochende Paola, seine wohl geratenen Kinder, einen latent korrupten Vice-Questore Patta, Venedig, und schon sind alle Ingredienzien beisammen. Der neuste Roman aber ist anders. Die Handlung findet hauptsächlich in der Lagune statt, die obligatorische Leiche taucht erst nach hunderundzehn (110!) Seiten auf, die Geschichte ist wundervoll aufgebaut. Als Leser/in tauchen wir in eine fast versunkene Welt ein, deren Existenz neben dem infernalischen Touristenrummel in Venedig kaum noch möglich zu sein scheint. Wunderbar zu lesen und spannend bis zum Schluss. Stille Wasser ist sicher einer der besten Romane von Donna Leon.


  











Der zweite Roman, den ich euch vorstellen möchte, heisst Chaya und wurde von Kathy Zarnegin geschrieben. Kathy Zarnegin wurde in Teheran geboren und kam 1968 als Vierzehnjährige in die Schweiz. Als junges Mädchen beschliesst sie, Schriftstellerin zu werden und träumt davon, nach Westeuropa oder in die USA zu gehen, so wie es damals viele junge Iraner gemacht haben. Schliesslich schicken ihre Eltern sie zu Verwandten in die Schweiz, weil die dort ein besseres Leben haben würde. Mit grossem Elan lernt sie sehr schnell die deutsche Sprache. In dem Buch beschreibt sie in knappen Kapiteln ihre vielfältigen Erfahrungen, die sie in dem Prozess der Integration in der Schweiz gemacht hat. Wir lernen eine junge Frau kennen, die sich furchtlos ihrer neuen Welt annähert, der Sprache, den Beziehungen, ihrer Rolle als Emigrantin, die eine Herkunftswelt in sich trägt, die zunehmend verblasst, aber immer noch Teil von ihr ist. Ich habe das Buch mit grossem Interesse gelesen.



  












Das dritte Buch stammt von Henning Beck und trägt den Titel Irren ist nützlich mit dem Untertitel Warum die Schwächen des Gehirns unsere Stärken sind. Inzwischen werdet ihr wahrscheinlich schon bemerkt haben, dass mich das Thema, wie unser Gehirn funktioniert, sehr interessiert. Henning Beck ist Neurowissenschaftler und versucht, an Hand populärwissenschaftlicher Bücher die Funktionsweise des Gehirns verständlich zu machen. Wie der Titel des Buches schon sagt, führt er aus, dass das Gehirn kein Organ ist, das computergleich Daten sammelt und nach Bedarf wieder ausspuckt. Nach seiner Überzeugung ist es im Gegenteil langsam, ungenau und fehlerhaft, aber gerade darin sieht er die Quelle für neue Ideen und Entscheidungen, für Kreativität, und für die Fähigkeit, Wissen immer wieder neu zu organisieren und weiter zu entwickeln. Gerade die Unvollkommenheit des Gehirns macht es aus, dass es den Maschinen überlegen ist. Henning Beck schreibt sehr verständlich und mit viel Humor. Wer sich immer wieder grämt über die Unvollkommenheit seines Gedächtnisses, wird das Buch mit Gewinn lesen.